Die meisten Fehlkäufe entstehen an einer einzigen Verwechslung: Wattstunden und Watt stehen beide auf dem Karton und bedeuten etwas völlig Verschiedenes.
Eine Powerstation kauft man nicht nach Optik. Vier Angaben entscheiden darüber, ob sie zu deinem Vorhaben passt: die Kapazität in Wattstunden, die Dauerleistung in Watt, der Akkutyp und das Gewicht. Alle vier stehen in den Herstellerangaben – und die ersten beiden werden ständig miteinander verwechselt. Diese Seite geht sie der Reihe nach durch.
Auf jedem Karton stehen zwei große Zahlen. Sie beantworten zwei verschiedene Fragen, und beide zu kennen ist die halbe Kaufentscheidung.
Die AFERIY 1800W 1024Wh nennt beides im Produktnamen: 1.800 W Dauerleistung, 1.024 Wh Kapazität. Viele Angebote betonen dagegen nur die Wattzahl, weil sie größer klingt. Wer „2000 W“ liest und einen ganzen Tag Strom erwartet, irrt – über die Ausdauer sagt diese Zahl nichts.
Beide Zahlen können den Kauf verderben, aber auf verschiedene Weise. Ein Wasserkocher mit 2.000 W läuft an keiner Station unter 2.000 W Dauerleistung, egal wie groß der Akku ist. Umgekehrt bringt die stärkste Station nichts, wenn nach zwei Stunden Schluss ist.
Im Akku steckt Gleichstrom, aus der Schuko-Steckdose kommt Wechselstrom. Diese Umwandlung kostet Energie; rund 15 Prozent sind der übliche Ansatz. Eine 1.024-Wh-Station liefert an 230-V-Geräten also keine 1.024 Wh, sondern grob 870. Das ist kein Mangel eines bestimmten Modells, sondern Physik – nur steht es selten im Angebot.
Der Bedarfsrechner auf der Startseite rechnet diesen Verlust offen mit: Er nennt zuerst deinen Tagesbedarf und darunter, was die Station deshalb tatsächlich haben sollte. Das ist ehrlicher, als hinterher zu erklären, warum sie früher leer war.
Umgehen lässt sich der Verlust nur an einer Stelle: Was über USB-C oder den 12-V-Ausgang läuft, geht nicht durch den Wechselrichter. Ein Laptop am USB-C-Anschluss kostet die Station spürbar weniger als derselbe Laptop am Netzteil in der Schuko-Dose. Bei 12 der 18 Geräte im Vergleich ist eine USB-C-Leistung belegt; sie reicht von 60 W bei der EcoFlow RIVER 2 bis 140 W – unter anderem bei Jackery E300D, DJI Power 1000 V2, AFERIY und OUPES Exodus 2400.
Zwei Akkuchemien teilen das Feld, und der Unterschied ist größer als jede Wattzahl. LiFePO4 hält typisch 3.000 Ladezyklen und mehr; wo die Hersteller hier eine Zahl nennen, liegt sie zwischen 3.000 und 4.000. Bei Lithium-Ionen sind eher rund 500 üblich.
15 der 18 Stationen in diesem Vergleich arbeiten mit LiFePO4. Lithium-Ionen stecken in genau zwei Geräten: in der Jackery Explorer 240 und in der SBAOH 600W. Beide sind deswegen nicht schlecht – die Explorer 240 hat die breiteste Bewertungsbasis ihrer Klasse und fünf Jahre Garantie –, aber sie altern anders. Wer eine Station zweimal im Jahr für den Urlaub nutzt, merkt davon wenig. Wer sie wöchentlich lädt, sehr wohl.
Bei der SinKeu 150W nennt der Hersteller die Chemie überhaupt nicht. In unserer Tabelle steht dort ein „—“, und in den Nachteilen steht der Satz dazu. Eine fehlende Angabe ist eine Produkteigenschaft, keine Kleinigkeit.
Unsere Klassen richten sich nach der Kapazität, weil sie über den Einsatzzweck entscheidet:
| Klasse | Wofür | Was auffällt |
|---|---|---|
| bis 300 Wh | Laptop und Handy unterwegs, Kamera-Akkus, eine Nacht Licht | Gewicht zwischen 1,8 und 4,3 kg. Die Dauerleistung reicht von 150 bis 600 W – ein Wasserkocher ist hier nirgends drin. |
| 300–1.200 Wh | Wochenende, Camping, ein paar Stunden Stromausfall | Der Sprung in der Leistung: Fünf der sechs Geräte schaffen 1.800 W und mehr, die DJI Power 1000 V2 sogar 2.600 W. |
| ab 1.200 Wh | Hausnotstrom, Kühlschrank über Nacht, Werkzeug | Zwischen 17,5 und 22 kg – ab hier trägt man zu zweit oder gar nicht mehr weit. |
Eine höhere Klasse ist nicht automatisch die bessere Wahl. Wer nur Handy und Laptop laden will, schleppt an einer 22-Kilo-Station vor allem Gewicht mit sich herum. Deshalb kürt unser Vergleich einen Sieger je Klasse und nicht einen für alle – und deshalb vergleichen wir Kapazität und Gewicht auch nur innerhalb einer Klasse.
Neben der Dauerleistung nennen viele Hersteller eine Spitzenleistung. Sie hält Sekunden und ist Reserve für den Einschaltmoment, in dem ein Motor oder Kompressor kurz mehr zieht. Zum Planen taugt sie nicht.
Wie weit beide auseinanderliegen, ist sehr unterschiedlich: Die FOSSiBOT F2400 und die Dyness 2400W nennen 4.800 W bei 2.400 W dauerhaft – das Doppelte. Die AFERIY 2800W kommt bei 2.800 W dauerhaft auf 3.600 W Spitze, also deutlich weniger Reserve bei mehr Grundleistung. Und bei 6 der 18 Geräte nennt der Hersteller gar keine Spitzenleistung; dort steht bei uns ein „—“.
Ein Sonderfall verdient Erwähnung: Die 1.500 W der BLUETTI Elite 30 V2 sind ein „Power Lifting“-Wert – eine Betriebsart, in der die Station die Ausgangsspannung absenkt, um ohmsche Verbraucher trotzdem zu bedienen. Das ist kein regulärer Spitzenwert, und wir schreiben es auf der Gerätekarte dazu.
Zwei naheliegende Kennzahlen fließen bei uns bewusst nicht in die Wertung ein, weil die Datenlage sie nicht trägt.
Die Zahl der 230-V-Steckdosen ließ sich nur bei 7 der 18 Geräte belegen. Die meisten Angebote zählen USB, KFZ und Schuko zu „X Ausgängen“ zusammen. Bei der BLUETTI Elite 30 V2 nennt der Titel sechs AC-Ausgänge, die Beschreibung insgesamt nur acht Ausgänge; bei der Dyness 2400W stehen „6 AC bei 16 Ausgängen“ gegen 13 Ausgänge in Titel und Datenblatt. Diese Widersprüche stammen aus demselben Angebot – auflösbar sind sie nicht.
Die Ladezeit steht bei 11 der 18 Geräte, aber nicht auf derselben Grundlage: mal bis 80 %, mal bis 100 %, teils nur mit zusätzlichem Solarertrag. Die OUPES Exodus 2400 bewirbt 50 Minuten – das gilt für Netz plus Solar; rein am Netz sind es 72 Minuten auf 80 %. Wir zeigen den Wert samt Bezug an und verrechnen ihn nicht.
Soll ein Gerät dauerhaft durch die Station versorgt werden und bei einem Netzausfall einfach weiterlaufen, zählt die Umschaltzeit. Sie sagt, wie schnell die Station übernimmt. Bei 9 der 18 Geräte ist sie belegt und reicht von 8 ms (FOSSiBOT F2400) bis 20 ms.
Für einen Rechner am Schreibtisch, ein Netzwerkgerät oder ein medizinisches Gerät ist das der Unterschied zwischen Weiterlaufen und Neustart. Für Kühlbox, Licht und Ladegeräte spielt sie keine Rolle – dort merkt niemand eine Zwanzigstelsekunde.
Das Gewicht ist die Kennzahl, die man erst nach dem Kauf ernst nimmt. Die Spanne reicht von 1,8 kg (BLUETTI Elite 10 Mini) bis 22 kg (AFERIY 2800W und FOSSiBOT F2400). Bei der OUPES Exodus 2400 nennt der Hersteller es auf der gesamten Produktseite nicht – bei einem Gerät mit über zwei Kilowattstunden ist das eine Lücke, die man vor dem Kauf schließen sollte.
Ein Solareingang ist bei 8 der 18 Geräte beziffert und unterscheidet sich drastisch: 100 W bei der BLUETTI Elite 10 Mini, 1.000 W beim Testsieger BLUETTI Elite 100 V2. Wer wirklich netzfern nachladen will, sollte hier genau hinsehen – und daran denken, dass der Stecker nicht überall derselbe ist.
Die Garantie ist bei 13 der 18 Geräte angegeben und reicht von einem Jahr (SBAOH 600W) bis sieben Jahren (beide AFERIY-Modelle). Wo zwei Quellen desselben Anbieters sich widersprechen – bei der EcoFlow Delta 2 und der FOSSiBOT F2400 ist das der Fall –, führen wir den Herstellertext und schreiben den Widerspruch dazu.
Eine Powerstation ist ein Akku, kein Verbrennungsmotor: Sie erzeugt keine Abgase und darf im Innenraum betrieben und geladen werden. Das ist ihr größter Vorteil gegenüber einem Stromaggregat – und der Grund, warum sie im Wohnmobil, im Zelt und in der Wohnung überhaupt infrage kommt.
Trotzdem gelten die üblichen Regeln für große Lithiumakkus: freistehend aufstellen und nicht abdecken, damit die Lüftung arbeiten kann, und die vom Hersteller genannten Temperaturgrenzen beachten. Das Laden bei Frost ist bei Lithiumakkus generell heikel; steht dazu nichts im Handbuch, lädt man besser im Warmen.
Der zweite Punkt betrifft die Einspeisung in die Hausinstallation: Sie ist ohne eine fachgerecht installierte Umschalteinrichtung lebensgefährlich. Die Geräte in diesem Vergleich sind für den Inselbetrieb gedacht – Verbraucher werden direkt an die Steckdosen der Station angeschlossen. Alles andere gehört in die Hände einer Elektrofachkraft.
18 Stationen nach Kapazität, Dauerleistung, Akkutyp und Gewicht sortiert – mit einem Sieger je Größenklasse und einem „—“ überall dort, wo eine Herstellerangabe fehlt.
Wie unsere Punktzahl zustande kommt, erklären wir unter Wie wir bewerten.
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